MVP (Minimum Viable Product)
Ein MVP ist die kleinste Version eines Produkts, die echten Nutzern schon einen Nutzen bringt. Es dient dazu, Annahmen am Markt zu prüfen, bevor viel Geld in Funktionen fließt, die niemand braucht. Ein MVP ist bewusst reduziert, aber nicht unfertig.
Ein Minimum Viable Product ist die kleinste Ausbaustufe, mit der du echte Nutzer bedienen und daraus lernen kannst. Der Zweck ist nicht Sparen, sondern Lernen: Du prüfst deine wichtigste Annahme, bevor du das volle Budget einsetzt. Der häufigste Denkfehler ist, ein MVP als „billige Vorversion" zu verstehen. Eine App mit halb funktionierender Anmeldung ist kein MVP, sondern ein Ärgernis. Richtig gedacht heißt reduziert: weniger Funktionen, aber die vorhandenen zuverlässig. Ein Beispiel aus dem Mittelstand: Ein Anbieter von Gebäudereinigung wollte ein Kundenportal mit Auftragsübersicht, Reklamationen, Rechnungen und Terminplanung. Als MVP wurde nur die Auftragsübersicht gebaut. Nach acht Wochen zeigte sich, dass Kunden vor allem Reklamationen einreichen wollten — die Terminplanung, ursprünglich als wichtigste Funktion geplant, wurde nie gebaut. Ein MVP kann auch ohne Programmierung auskommen. Wenn du prüfen willst, ob jemand deinen Service bucht, reicht anfangs manchmal eine Landingpage mit Formular und ein Mensch, der die Abwicklung von Hand macht.
Immer dann, wenn du eine Annahme hast, die du nicht belegen kannst: dass eine Zielgruppe ein Problem hat, dass sie dafür zahlt, dass sie deinen Lösungsweg annimmt. Nicht sinnvoll ist ein MVP, wenn die Anforderungen feststehen und aus Gesetz oder Prozess folgen. Eine Lohnabrechnung muss vollständig richtig sein — da gibt es nichts zu testen. Achte auf ein häufiges Warnsignal: Wenn die Funktionsliste für das MVP im Laufe der Planung immer länger wird, geht der Zweck verloren. Frag bei jeder Funktion, welche Erkenntnis sie liefert. Wenn die Antwort „keine" lautet, gehört sie in die zweite Stufe. Zeitlich sollte ein MVP in acht bis sechzehn Wochen stehen. Dauert es länger, ist es keins.
Für eine digitale Anwendung liegt ein sinnvoll geschnittenes MVP häufig bei ca. 15.000 bis 40.000 Euro. Darunter wird es meist zu dünn, um belastbare Erkenntnisse zu liefern. Der Preis hängt davon ab, wie viel Serverteil nötig ist und ob echte Nutzerdaten verarbeitet werden. Ein MVP ohne Anmeldung und ohne persönliche Daten ist deutlich günstiger als eines mit beidem. Plane Budget für die zweite Runde ein. Ein MVP, das keine Fortsetzung finanziert bekommt, ist verlorenes Geld — der Wert entsteht daraus, dass du auf die Erkenntnisse reagierst.
Frag, wie der Anbieter den Umfang festlegt. Wer sofort deine ganze Wunschliste umsetzen will, hat das Prinzip nicht verstanden — gute Partner streichen im Erstgespräch. Kläre, wie gemessen wird. Ohne Auswertung der Nutzung liefert ein MVP keine Erkenntnis, nur ein Gefühl. Achte auf technische Anschlussfähigkeit: Der Code sollte weiterverwendbar sein, wenn das MVP sich bewährt. Ein Wegwerf-Prototyp ist eine bewusste Entscheidung, kein Zufallsergebnis — sprich vorher darüber.
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