Software rund um die Maschine: Aufgaben, Pflichten, Anbieter
Wo im Maschinenbau Software entsteht
Software steckt an drei Stellen: in der Maschine selbst, etwa als SPS-Programm, Firmware einer Baugruppe oder Bedienoberfläche am HMI; an der Schnittstelle zur Fabrik des Kunden, also in der Anbindung an MES, ERP oder Leitsysteme; und im Service nach der Auslieferung mit Fernwartungsportal, Condition Monitoring, Service-App und digitaler Dokumentation. Wer Safety-Programme für Steuerungen schreibt, baut selten ein Kundenportal mit Cloud-Backend, und umgekehrt. Für das allgemeine Vorgehen in Softwareprojekten und für Netzwerkbetrieb oder NIS2 im eigenen Werk sind andere Partner zuständig.
Was Maschinenbauer zum Handeln bringt
- Kunden verlangen eine OPC-UA-Schnittstelle, damit die Maschine ohne Sonderprogrammierung ins MES kommt.
- Für vernetzte Maschinen im Feld braucht es bis 11. September 2026 einen Meldeprozess für ausgenutzte Schwachstellen.
- Die Betriebsanleitung soll künftig digital bereitgestellt werden.
- Serviceeinsätze sollen durch Ferndiagnose und Zustandsdaten planbarer werden.
- Das HMI läuft auf einer abgekündigten Plattform, und das Wissen hängt an einem Mitarbeiter.
- Betreiber fragen nach Zugang zu den Daten ihrer Maschine.
Schnittstellen zur Fabrik
OPC UA hat sich als herstellerunabhängiger Standard für Maschinendaten durchgesetzt. Es bringt ein objektorientiertes Informationsmodell, Verschlüsselung und Authentifizierung über X.509-Zertifikate mit. Über 150 Companion Specifications beschreiben branchenspezifische Datenmodelle, der VDMA treibt mit OPC UA for Machinery und umati eine gemeinsame Basis voran. Typische Aufgaben sind ein OPC-UA-Server auf der Steuerung oder einem Edge-Gateway, das Abbilden der Maschinendaten auf das passende Informationsmodell und die Übergabe von Aufträgen, Stückzahlen und Störmeldungen an MES oder ERP.
Regulierung, die Maschinensoftware direkt betrifft
Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 ist ab 20. Januar 2027 für das Inverkehrbringen anzuwenden. Software, die Sicherheitsfunktionen wahrnimmt und gesondert in Verkehr gebracht wird, gilt nun ausdrücklich als Sicherheitsbauteil. Neu ist der Schutz gegen Korrumpierung: Bauteile, über die auf sicherheitsrelevante Software zugegriffen wird, müssen gegen unbeabsichtigte und vorsätzliche Manipulation geschützt sein. Bei Updates und Funktionserweiterungen ist zu prüfen, ob eine wesentliche Veränderung vorliegt. Betriebsanleitungen dürfen digital bereitgestellt werden, müssen dann aber über die erwartete Lebensdauer, mindestens zehn Jahre, online abrufbar sowie druck- und speicherbar sein.
Der Cyber Resilience Act erfasst Produkte mit digitalen Elementen, also auch vernetzte Steuerungen, Gateways und Apps. Ab 11. September 2026 müssen Hersteller aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwere Sicherheitsvorfälle melden, mit Frühwarnung binnen 24 Stunden über die Meldeplattform der ENISA. Nach Art. 69 Abs. 3 gilt das auch für Produkte, die schon im Markt sind. Ab 11. Dezember 2027 folgen die übrigen Anforderungen wie Security by Design, Sicherheitsupdates im Unterstützungszeitraum und Konformitätsbewertung. Eine Software-Stückliste (SBOM) hilft, betroffene Komponenten schnell zu finden.
Der Data Act gibt Nutzern seit 12. September 2025 Rechte an den Daten vernetzter Produkte. Produkte, die ab 12. September 2026 neu in Verkehr kommen, müssen den Datenzugang bereits konstruktiv vorsehen.
Welche Pflichten für deine Maschine konkret gelten, klärst du mit Fachleuten für Produktsicherheit und Recht. Ein Entwicklungspartner sollte sie kennen und in Architektur und Dokumentation einplanen.
Welche Entwicklungspartner es im Industrieumfeld gibt
- Automatisierungsdienstleister: SPS- und Safety-Programmierung, HMI, Inbetriebnahme an der Maschine.
- Embedded-Entwickler: Firmware für Baugruppen und Gateways, sichere Update-Mechanismen.
- Industrie-Softwarehäuser: OPC UA, Edge-Anwendungen, Datenplattformen, Condition Monitoring und Kundenportale.
- Entwicklungsdienstleister mit Engineering-Hintergrund: übernehmen ganze Pakete inklusive Dokumentation für die Konformitätsbewertung.
Technische Eckdaten für deine Anfrage
- Steuerungsplattform, Feldbusse und vorhandene Schnittstellen
- Ob die Software Sicherheitsfunktionen berührt
- Ob Maschinen vernetzt ausgeliefert werden und wer Updates einspielt
- Zielsysteme beim Betreiber, etwa MES, ERP oder Cloud-Plattform
- Stückzahlen, Varianten und geplanter Unterstützungszeitraum
- Vorhandener Code, Dokumentation und wer beides heute pflegt