Was eine Hotel-Website vom normalen Firmenauftritt unterscheidet
Der provisionsfreie Kanal im Vertriebsmix
Hotels verkaufen Zimmer über ein Zusammenspiel aus Property-Management-System (PMS), Channel Manager, Buchungsmaschine und Online-Reiseportalen. Die eigene Website ist darin der Kanal, bei dem keine Provision an ein Portal fließt. Wer eine Hotel-Website erstellen lässt, braucht deshalb mehr als schöne Zimmerseiten: Die Buchungsmaschine muss so eingebunden sein, dass Gäste vom Foto der Juniorsuite ohne Umweg zum verfügbaren Preis kommen.
Woran Hoteliers merken, dass die Seite bremst
- Nach dem Klick auf „Buchen“ landen Gäste auf einer fremd wirkenden Seite oder in einem Anfrageformular, und Reservierungen kommen per E-Mail.
- Viele Gäste suchen das Haus beim Namen und buchen trotzdem über ein Portal.
- Der Wechsel von PMS oder Buchungsmaschine steht an.
- Nach einer Renovierung gibt es neue Zimmerkategorien oder einen Spa-Bereich, Bilder und Texte zeigen noch den alten Stand.
- Die Buchungsstrecke muss auf Barrierefreiheit geprüft werden.
PMS, Channel Manager und Buchungsmaschine
Der Channel Manager gleicht Preise und Verfügbarkeiten zwischen PMS, Portalen und der Internet Booking Engine (IBE) ab. Bucht ein Gast über ein Portal, landet die Reservierung im PMS, und das Kontingent wird auf den übrigen Kanälen geschlossen. Die Website verwaltet selbst keine Zimmer. Sie bindet die IBE ein, als Widget, als eigene Buchungsseite im Hoteldesign oder über eine Schnittstelle, die Raten direkt auf die Zimmerseiten holt. Welche Variante möglich ist und wie weit sich Farben, Schriften und Texte anpassen lassen, bestimmt der Anbieter der Buchungsmaschine, nicht die Webagentur.
Direkt günstiger als auf Booking.com
Der Bundesgerichtshof hat 2021 (KVR 54/20) die engen Bestpreisklauseln von Booking.com für kartellrechtswidrig erklärt, die Hotels untersagt hatten, Zimmer auf der eigenen Website günstiger anzubieten. Seit Booking von der EU-Kommission als Gatekeeper nach dem Digital Markets Act benannt wurde, muss die Plattform Hotels ausdrücklich erlauben, auf anderen Kanälen einschließlich der eigenen Website bessere Preise und Konditionen anzubieten. Direktbuchervorteile wie ein niedrigerer Preis, inkludiertes Frühstück oder flexible Stornierung dürfen also sichtbar auf der Seite stehen. Verträge mit anderen Portalen solltest du trotzdem selbst auf Einschränkungen prüfen.
Sichtbar in der Google-Hotelsuche
Google zeigt in der Hotelsuche neben bezahlten Hotelanzeigen kostenlose Buchungslinks mit Zimmerpreis, die auf deine Buchungsseite führen. Voraussetzung ist ein Hotel-Center-Konto oder die Anbindung über einen Integrationspartner, oft den Anbieter deiner Buchungsmaschine. In die Reihenfolge fließen laut Google unter anderem die historische Preisgenauigkeit und die Nutzererfahrung auf der Landingpage ein, nicht die Gebotshöhe. Stimmt der Preis auf der Buchungsseite nicht mit dem übermittelten Preis überein, schadet das.
Preisangaben und Barrierefreiheit
Gegenüber Verbrauchern sind Gesamtpreise anzugeben. Das OLG Köln hat 2014 (6 U 172/13) für Hotelbuchungsportale entschieden, dass eine Tourismusabgabe, die der Hotelbetreiber schuldet, in den Endpreis gehört; bei einer Kurtaxe, die der Gast selbst schuldet, reicht danach ein Hinweis. Wie die Abgabe in deiner Gemeinde geregelt ist, bestimmt also die Darstellung.
Nach den FAQ der Bundesfachstelle Barrierefreiheit fällt eine Hotelwebsite mit Buchungsmöglichkeit unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Nutzt du ein externes Buchungstool, empfiehlt die Fachstelle, beim Anbieter Nachweise zur Barrierefreiheit anzufordern. Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme sind bei Dienstleistungen von den Anforderungen ausgenommen.
Wer Hotel-Websites umsetzt
- Webagentur mit Hotelschwerpunkt: kennt gängige Buchungsmaschinen, Channel Manager und die Argumente für Direktbuchung.
- Anbieter von Buchungssoftware mit Website-Modul: Buchung und Website aus einer Hand, gestalterisch meist nach Vorlage.
- Allgemeine Webagentur plus Hotelfotograf: passt zu Häusern mit ausgeprägtem eigenem Konzept, wenn die IBE-Einbindung sauber gelöst wird.
Checkliste für dein Hotel vor der Anfrage
- PMS, Channel Manager und Buchungsmaschine mit Namen und Vertragslaufzeit
- Zimmerkategorien, Arrangements, Gutscheine, Tagungsräume oder Restaurant
- Buchungssprachen und wichtigste Herkunftsmärkte deiner Gäste
- Vorhandenes Foto- und Videomaterial je Zimmerkategorie
- Ob schon kostenlose Buchungslinks oder Hotelanzeigen bei Google laufen
- Beschäftigtenzahl und Umsatz für die Einschätzung zur Barrierefreiheitspflicht